Kategorien-Archiv: Kritik

 

25 Jahre danach

Es ist genau 25 Jahre her, dass es zum Super-GAU in Tschernobyl kam. Am 26. April 1986 um 1:23 explodierte der Reaktor in Block 4 des Atommeilers mit dem Namen „W. I. Lenin“ und war der Gipfel einer tödlichen Kettenreaktion, aber erst der Beginn einer unvorstellbaren Katastrophe. Noch heute sind weite Teile Europas mit radioaktivem Cäsium-137 belastet und die einst lebhafte Stadt Prypjat wurde zur Geisterstadt. Nahezu 50.000 Menschen verloren hier ihr zu Hause und büßten wahrscheinlich auch ihre Gesundheit ein. Dazu kommen noch die – vermutlich um die mehrere 100.000 – Liquidatoren, die entweder kurze Zeit später oder nach mehreren quälenden Jahren verstorben sind. Und noch heute treten gesundheitliche Schädigungen der ehemaligen Anwohner und ihrer Nachkommen auf und Tschernobyl befindet sich inmitten einer beängstigenden Sperrzone.

 

 

 

Der GAU ist da

Ich möchte hier nicht auf den Zug zur Katastrophe – insbesondere Atom-Katastrophe – in Japan aufspringen, denn ich habe mich hier bereits vorher mehrfach klar und deutlich gegen Kernkraft geäußert. Aber ich möchte auch nicht mit Sätzen wie „Ich hatte Recht“ hervorstechen. Ich möchte an dieser Stelle einfach nur mein Entsetzen über die nukleare Katastrophe – neben der ursprünglichen Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe – äußern.

Was genau im Nordosten Japans in den Reaktoren im Kernkraftwerk Fukushima I vorgeht kann derzeit wohl keiner sagen – und bereits das ist die erste große Schweinerei und ein gigantischer Skandal! Man gefährdet vor Ort 1.000ende (wenn nicht sogar mehr) Menschenleben, weil man Informationen nur tröpfchenweise an die Öffentlichkeit lässt und offenbar sogar die japanische Regierung nichts weiß. Ich weiß nicht, was in den Köpfen der Verantwortlichen vor sich geht. Ist es einfach nur eine unwissende Fehleinschätzung der Auswirkungen? Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, ich erwarte schließlich Kompetenz in einem Kernkraftwerk und dazu gehört auch das Wissen um nukleare Strahlung und einen GAU. Es ist offenbar weiterhin nur Profitgier und der heimliche Gedanke im Hintergrund, dass ein GAU eine „unnötige“ Diskussion in der Gesellschaft auslöst und somit die „Gelddruckmaschinen“ Atomkraftwerk im Rest des Landes gefährden könnte. Außerdem möchte man offenbar einfach nur Recht behalten und verschweigt weiterhin die Gefahr der Atomkraft und dass sie schlichtweg unbeherrschbar ist. Die Behauptung, man wolle keine Panik auslösen, kann ich mir nicht als glaubwürdig vorstellen, denn seit wann machen sich private Unternehmen, wie der Betreiber Tepco, Gedanken um Auswirkungen von Panik.

Tatsache für mich ist – der GAU, also der größe anzunehmende Unfall, ist da! Es ist passiert, mindestens ein Reaktor in Fukushima I hat versagt und nukleares Material freigegeben. In mindestens 3 Reaktoren geht eine Kernschmelze von statten. Gestern wurden Werte im Bereich von 400 Millisievert/Stunde in der näheren Umgebung des Kraftwerkes gemessen – zum Vergleich, in Tschernobyl führten 350 Millisievert/Stunde zur Evakuierung der Region. Und noch ein Vergleich aus dem Alltag, wir setzen uns im Jahr dank kosmischer Strahlung (Hintergrundstrahlung) und weiterer natürlicher Strahlungsquellen maximal 2 Millisievert aus. Dazu kommen dann noch eventuelle künstliche Quellen, wie beispielsweise medizinische Anwendungen (Wikipedia).

Persönlich bin ich erschrocken, wie „schnell“ es dann zu diesem GAU kommen konnte. Statistisch äußerst unwahrscheinlich – ein Erdbeben der Stärke 9,0 und eine bis zu 10m hohe Tsunami-Welle – aber wir wir sehen, dennoch möglich. Und nun ging alles ganz schnell und fast wie von allein, ein Wettlauf der mit der Zeit begann. Die Kühlung ist ausgefallen – offenbar mittlerweile sogar bei allen 6! Reaktoren. Die Idiotie der Technologie wurde deutlich:

  • Ein abgeschalteter Reaktor arbeitet weiter, die Kernspaltungsprozesse lassen sich nicht stoppen – somit sind sie doch unkontrollierbar, unbeherrschbar!
  • Die Kühlung wird durch Pumpen, die widerum Strom benötigen, gewährleistet, doch was passiert, wenn kein Strom zur Verfügung steht? – mir hat mal jemand vor einigen Monaten versucht klar zu machen, dass es rein physikalisch nicht zu einem GAU kommen könne – ja, aber auch Strom für Pumpen ist Physik!

Ist das nicht schlichtweg krank? Erst jetzt wird richtig deutlich wie anfällig diese Technologie ist! Dazu kommt die Tatsache, dass man nun auch Probleme mit Reaktor Nr. 4 zu haben scheint. Dort gibt es ein „Abklingbecken“, in welchem alte Brennstäbe zum „abkühlen“ liegen. D.h. der 4. Reaktor war schon länger abgeschaltet, zu Wartungszwecken, vermutlich als Vorbereitung auf neues Brennmaterial. Währenddessen liegt das alte Material im Becken ohne die Schutzmaßnahmen, die ein Reaktor bieten würde.

Der Vorfall wurde von Japans Atombehörde mit der Stufe INES 4 „Unfall“ beurteilt, die Internationale Atombehörde IAEA teilt – zumindest noch – diese Einschätzung. Stufe 4 heißt in dem Fall, dass es zu ein „geringen Freisetzung“ nuklearen Materials gekommen ist. Frankreich dagegen stuft den Vorfall mittlerweile mit INES 6 „Schwerer Unfall“ ein – das bedeutet eine „erhebliche Freisetzung“ von nuklearen Stoffen. Ab INES 5 werden übrigens erste Katastrophenschutzmaßnahmen getroffen.

Übrigens hörte ich gestern folgenden Satz von einem alten Japaner, der auch den Atombombenabwurf über Hiroshima miterlebte und seit vielen Jahren in Deutschland lebt: „Atomstrom ist keine saubere Energie – es ist eine Schweinerei“.

 

Wettbewerb im Multimedia-Netz?

Zum Anfang diesen Jahres hat mein Vermieter, die Degewo, einen Versorgungsvertrag mit Kabel Deutschland abgeschlossen. Damit wurde die TV-Kabel-Versorgung von Tele Columbus auf Kabel Deutschland umgestellt. Doch das war offenbar nur der Anfang. Etwas später landete bei mir ein Bescheid, dass man demnächst plane, die Leitungen zu erneuern und modernisieren und damit auch die Möglichkeit für Internet und Telefon über die TV-Dose mitzuliefern. Die Bauarbeiten gingen dann über mehrere Monate, auch die neuen TV-Dosen in den Wohnungen wurden installiert. Gestern war dann unser „Medienberater“ von Kabel Deutschland vor Ort und hat die TV-Dosen gecheckt und den Mietern, darunter auch mir, über gute Angebote berichtet. Dabei waren verführerische TV- und Internet-Angebote. Die TV-Angebote sind hier für mich eher uninteressant, doch die Internet-Angebote habe ich mir ausgiebig erklären lassen. Darunter auch ein DSL-Anschluss mit symmetrischen 100MBit/s, das ist natürlich sau-schnell (im Vergleich, aktuell habe ich asymmetrische 6MBit/s). Doch man sollte immer zwei-mal über so etwas nachdenken und hinter die Kulissen schauen.

— Weiterlesen —

 

Die BVG und ich

Zunächst möchte ich sagen, dass ich eigentlich ganz froh bin, dass in Berlin die Straßenbahn von der BVG betrieben wird und nicht von der Deutschen Bahn. Dabei brauche ich nur das Wort „S-Bahn-Chaos“ erwähnen, dann weiß jeder Berliner wovon ich rede.

Doch heute war ich von der BVG echt bedient! Ich wollte heute morgen um 7:20Uhr mit der entsprechenden Straßenbahn fahren. Ich merkte zu Hause bereits, dass ich zu spät dran war, also nahm ich meine Beine in die Hand und marschierte schnellen Schrittes in Richtung Haltestelle. So schaffte ich es genau zum richtigen Zeitpunkt, die Straßenbahn leider nicht. Sie kam 5 Minuten (!) zu spät, dadurch verpasste ich meine Anschlussbahn und musste so eine kompliziertere Verbindung in Kauf nehmen und weitere 5 Minuten in der Kälte warten. An der zweiten Umsteigehaltestelle nach gut 25 Minuten der nächste große Griff in die Sch**** der BVG. Denn meine dritte (!) Bahn kam zu früh, also wieder 5 Minuten warten. Zum Schluss kam ich 15 Minuten später an meinem Ziel an als geplant, außerdem 5 Minuten nach Übungs-Beginn an der Hochschule.

Danke liebe BVG für diesen Nerven-aufreibenden Morgen mit unnötigem Umsteigen, warten in der Kälte und 55-Minütiger Reise.

 

Atomi erklärt uns den Atomstrom

 

Atomkraft? – Nein, danke!

In letzter Zeit fabriziert unsere Regierung einen Scheißhaufen nach dem anderen trifft unsere Regierung eine Fehlentscheidung nach der anderen. Eigentlich kommt man da gar nicht mehr hinterher. Doch ein Thema liegt mir persönlich besonders am Herzen:

So hat die aktuelle Regierung beschlossen, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Dabei soll es zu einem „Geheim-Deal“ inkl. Schutzklausel gekommen sein, der vor allem auf die Energierkonzerne und Wirtschaft zugeschnitten ist. Dabei wird völlig ignoriert, dass Kernenergie in Deutschland extrem unbeliebt ist. Dabei ist auch völlig egal, was man in anderen Ländern von dieser Technologie hält, ob sie dort beliebt oder unbeliebt ist, es geht hier um Deutschland, um unsere Regierung und darum, dass die demokratisch gewählte Regierung am Volk vorbeihandelt. Denn um die mittlerweile eingebrochenen Mehrheiten nutzen zu können, möchte man bei dem entsprechenden Gesetz den Bundesrat umgehen. Übrigens, vor kurzer Zeit wurde auch die Förderung für regenerative Energien drastisch gekürzt. Somit geht nach dem aktuellen Etat jeder dritte Euro aus dem Haushalt des Umweltministeriums in die Kernenergie. Dabei wird uns das neue Energiekonzept als „revolutionär“ und ohne Ausweg verkauft. Dass man unter Rot-Grün bereits kürzere Laufzeiten beschlossen hatte, beweist allerdings, dass es durchaus möglich wäre. Außerdem wäre es doch viel „revolutionärer“, wenn man Deutschlands wirtschaftliche Stärke, die uns ja immer wieder vorgehalten wird (wir seien ja Europas Lokomotive – in etwa der Wortlaut der Kanzlerin), um regenerative Energien, wie Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft, Erdwärme usw. intensiv zu erforschen und zu fördern.

Nun gibt es ja auch Befürworter der Kernenergie. Damit habe ich kein Problem, aber meine Meinung ist gefestigt, ich habe definitiv ein Problem mit Kernenergie, sowohl aus Umwelt- als auch aus Wirtschaftspolitischer Sicht. Zu diesem Thema habe ich vor einem guten Jahr bereits einen kleinen Artikel geschrieben.

Wenn ihr meiner Meinung seid, dann habt ihr auch die Möglichkeit, eure Stimme an der richtigen Stelle anzubringen. Derzeit gibt es vier größere Petitionen bzw. Aufrufe gegen die geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Hier eine Übersicht:

Und es geht noch weiter: Die Regierung soll den Widerstand nicht nur auf dem Papier spüren, sondern auch in der Realität. So plant Campact am kommenden Samstag (18.09.2010) eine Demonstration in Berlin.

 

Rennspiel-Fans werden zu Rasern?

Eine – in meinen Augen mal wieder fragwürdige – Studie möchte folgendes zu Tage gebracht haben: Junge Spieler von Rennspielen am Computer oder Spielkonsolen sollen dazu neigen, auch im späteren Leben mit Führerschein im realen Straßenverkehr rasanter zu fahren.

Dazu wurden 2.000 Probanden im Alter von 16 bis 17 Jahren befragt, die wurden dann zwei Jahre später erneut unter die Lupe genommen und ihr Fahrverhalten per Fragebogen erneut untersucht. Statistisch ausgewertet wurden die Zahlen dann von 354 Teilnehmern. Eine sog. „sorglose Einstellung“ gegenüber rasanten Geschwindigkeit sei signifikant bei jungen Rennsimulations- oder Drive-Em-Ups á la Grand Theft Auto -Spielern. Ganz nebenbei soll auch Alkohol bei den Spielern eher unterschätzt werden, denn schließlich macht ja besoffenes betrunkenes Fahren am Computer auch Spaß… Weitere Informationen über die Studie findet man unter anderem bei heise.

Ich persönlich reagiere immer etwas empfindlich, wenn es um Studien geht, die die „Gefahr“ von Computerspielen aufzeigen möchten. Und auch die obigen Zahlen lassen mich eher stutzig werden (2.000 Teilnehmer und 354 ausgewertete Antworten?). Außerdem wurden die jungen Leute offenbar nur per Fragebogen untersucht, ein echter Fahrtest scheint nicht erfolgt zu sein.

Übrigens, liest man den vollständigen Artikel bei NewScientist, so trifft man auch auf einen weiteren interessanten Punkt. Denn hier spricht man auch davon, dass es weitere Studien gibt, die durchaus positive Wirkungen auf den Spieler haben können. Beispielsweise kann so die Voraus- und Weitsicht des Spielers und späteren Fahrers trainiert werden.

Aber vielleicht erklärt sich ja über diese Studie, warum ich gestern vom Polizeipräsidenten Post bekommen habe. Denn auch ich habe in meiner Jugend Spiele wie Grand Theft Auto und Need for Speed gespielt.

 

Der Acer Support

Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen mich näher mit dem Service Support von Acer auseinandersetzen zu dürfen. In meiner Verwandtschaft hat sich der Akku eines nicht mal ein Jahr alten (!) Notebooks mit einem Defekt verabschiedet. Als der „Computer-Freak“ in der Familie war es nun meine Aufgabe, mich um das Problem zu kümmern. Nach dem ich ein Software-Problem als Ursache ausgeschlossen hatte, musste es die Hardware sein, am wahrscheinlichsten der Akku selbst. Wie gesagt, der Laptop ist noch kein Jahr alt, es gilt also noch die Garantie. Also nahm ich Kontakt mit Acer auf, und bereits hier gab es erste Probleme: Ein Telefonat ist in Deutschland nur über eine überteuerte 0900er-Nummer möglich, also versuchte ich es über das vorgegebene Formular auf der offiziellen Support-Webseite von Acer. Hier soll man unter anderem die Seriennummer des betroffenen Notebooks eingeben, das hat leider nicht funktioniert: es kam immer wieder zu einer Fehlermeldung, die Nummer sei nicht korrekt, das war sie aber definitiv. Also musste ich Kontakt über die offizielle Acer-Email-Adresse aufnehmen. Nach ein paar Tagen scheint meine Email dann auch endlich bei der zuständigen Stelle angekommen zu sein. Aufgrund meiner Fehlerbeschreibung erkannten die Mitarbeiter von Acer, es sei ein möglicher Hardware-Defekt. Doch nun sollte man den gesamten (!) Laptop einschicken. Ich bekam eine Kunden- und eine Bearbeitungsnummer, außerdem einen Hinweis, ich solle vorsichtshalber alle Daten auf dem Gerät sichern und die Passwörter zu einer Fehlerbeschreibung dazu-schreiben. So etwas mache ich allerdings überhaupt nicht gerne, so haben die Mitarbeiter Zugriff auf ALLE (!) Daten. Es ergab sich dann aber dennoch, dass ich mich an die Anweisungen hielt, Passwörter und wichtige Daten entfernt habe, eine komplette Sicherung angelegt hab und das Notebook dann per Post abgeschickt habe. Das Paket war dann auch relativ schnell da, ich bekam eine Bestätigung per Email und per SMS. Der Laptop war dann auch innerhalb weniger Tage repariert: angekündigt waren 4-5 Werktage, gedauert hat es aber deutlich kürzer, auch der Rückversand erfolgte schnell. Als ich den Laptop nun wieder ausgepackt hatte, wollte ich sehen, was defekt war: Es war tatsächlich der Akku (ein neuer Akku ohne Notebook einschicken hätte also auch gereicht). Ein neuer Akku lag bei, ich baute ihn ein und schaltete den Laptop ein: Und was sehe ich?! Windows Vista? Bitte richten Sie Ihren Computer ein?! Alle Daten weg! Man hat das Gerät bei Acer tatsächlich platt gemacht, obwohl es ein eindeutiger Hardware-Defekt war!!! Glücklicherweise hatte ich eine Komplettsicherung des Computers (der mittlerweile mit Windows 7 ausgestattet ist) angelegt, diese konnte ich relativ schnell und problemlos wieder herstellen, dank einer (in meinen Augen) neuen Windows-Funktion namens „Windows Sicherung“. Ach ja, ganz nebenbei, als ich das Notebook zurückbekommen hat, war es Sau-dreckig!

Also im Großen und Ganzen eher eine durchschnittliche Leistung, denn der Akku wurde zwar anstandslos getauscht, aber das komplette Löschen aller Daten, der verdreckte Laptop bei Rücksendung und das übergeben aller empfindlicher Daten sind dicke Minus-Punkte!

Liebes Acer-Team, ist es nur Schikane, damit ich nicht noch einmal darauf komme, Ihre Garantie zu nutzen oder ist das einfach nur schlechter Service?

— Weiterlesen —

 

Trauriger PIN-Brief

Vor zwei Tagen erhielt ich eine E-Mail von meiner Hochschule, die mich etwas schockierte.

Liebe Studierende,

sicherlich wundern sich viele von euch, warum sie noch keine Aufforderung zur Rückmeldung erhalten haben. Grund ist folgender: Die HTW verschickt alle Briefe mit der PIN AG und anscheinend hat diese nicht alle Briefe zugestellt. […]
Mittlerweile habe ich dank des AStA meiner Hochschule herausgefunden, ab wann und mit wie viel „Semestergebühren“ ich mich für das nächste Semester zurückmelden kann. Aber ich finde es dennoch ein Skandal, dass solch wichtige Briefe nicht ankommen. Hauptsache, das passiert dann nicht auch mit dem Studentenausweis und Immatrikulationsbescheinigung für das kommende Semester :fools:
 

Mein politischer Ascherdonnerstag

Ich muss mich in meinem Blog nach langer Zeit wieder politisch äußern. Bereits in den letzten Wochen und Tagen sind mir mehr und mehr Gedanken zum Thema Politik durch den Kopf gegangen. Doch der Auslöser folgte erst vergangene Nacht:

Als ich nach langer Zeit die Arbeit an meiner aktuellen Hausaufgabe für mein Studium vorerst beendete, durchstöberte ich meinen mittlerweile gut gefüllten Feed-Reader und stieß auf erstaunlich viele neue Piraten-Äußerungen in den verschiedensten Blogs, denn es ist etwas geschehen, wovon ich hoffte, dass es nicht geschieht, Horst Köhler, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland hat das umstrittene Zugangserschwernisgesetz unterschrieben. Das Gesetz, das angeblich gegen Kinderpornographie eingesetzt werden soll. Das Gesetz, das eine Zensurinfrastruktur für das Internet in Deutschland etabliert. Das Gesetz, das jegliche Grundsätze der Demokratie und Freiheit verletzt. Das Gesetz, gegen das auch ich vor dem Williy-Brandt-Haus und auf dem Potsdamer Platz demonstriert habe. Übrigens das Gesetzt, gegen das sich (zumindest vor der Bundestagswahl 2009) auch die FDP aussprach.

Damit bin ich bereits beim nächsten Thema angelangt, bei der FDP. Die FDP überzeugt ja derzeit durch ihren Vorsitzenden, den „Outing Minister“ Guido Westerwelle, der sich nach wie vor mehr um die Innenpolitik kümmert, kein Wunder, denn der Innenminister verbringt die Tage in Vancouver, als um sein eigenes Ressort. Er ist offenbar mental in seiner Zeit von 11 Jahren Opposition hängen geblieben, denn er kritisiert nach wie vor gerne die Regierung und bemerkt nicht einmal, dass in eben dieser sitzt. Aber nicht nur deshalb brechen die Umfragewerte der FDP auf desaströse Art und Weise ein. Auch die Tatsache, dass Herr Westerwelle nahezu permanent mit seinen Universalschimpfwörtern „linksradikal“, „linksextrem“, „Sozialismus“ oder gar „Kommunismus“, also jenen aus dem FDP-Propagandaskript, um sich wirft und auch Hartz IV mit eben diesen vergleicht, sorgt wohl für diesen Einbruch. Ja, da behauptet er, Hartz IV lade zu „spätrömischer Dekadenz“ ein, wobei ich mich frage, was an einem Leben mit Hartz IV römisch dekadent sein soll. Die Partei hat eines offenbar nicht erkannt: Nicht die Hartz IV-Sätze sind zu hoch, sondern die Löhne zu niedrig. Was könnte man denn dagegen tun? Da gibt es eine Möglichkeit: Mindestlöhne, worauf Herr Westerwelle doch gleich wieder „Sozialismus!“ als Antwort herausposaunen würde, aber bis die FDP auf diesen Zug aufspringt, lernen Esel wohl eher fliegen.

Auch diese interessante Koalitionsstimmung zwischen jener FDP, der CDU und der bayrischen CSU, die sich merkwürdiger Weise als „Volkspartei“ sieht, obwohl sie nur regional wählbar ist, ist faszinierend. Wurde uns vor der Wahl nicht Schwarz-Gelb als Traumpaar dargestellt? Als Wunschkoalition der drei Parteien? Dabei ist hier auch nach über 100 Tagen mehr der Wurm drin, als in der großen Koalition, nach deren Ende nicht nur ich mich sehnte und dafür sogar schwarz-gelb irgendwie noch etwas abgewinnen konnte, doch weit gefehlt! Man ist sich in nichts einig, der Koalitionsvertrag ist von jedem frei interpretierbar, das Papier nicht Wert auf dem er steht. Atomkraftwerke laufen für den Geschmack vieler mit 40 Jahren Laufzeit viel zu kurz und gewisse Teile peitschen Steuererleichterung für Reiche durch. Man hält außerdem seine politischen Diskussionen lieber im Bierzelt ab. Das nenne ich „spätrömsiche Dekadenz“!

Ich bin gespannt, wie es in unserem aktuellen Politikzirkus weitergeht. Ich weiß allerdings nicht, ob ich eher heulen oder lachen soll, denn zum Lachen, ist Politik eigentlich ein viel zu ernstes Thema. Das sollten vielleicht auch die Herrschaften auf der Regierungsbank und im Schloss Belevue langsam begreifen.