Erfahrungen mit OwnCloud

OwnCloud LogoSchon immer habe ich mir Gedanken gemacht, wie kann ich meine Daten sicher zwischen mehreren Geräten synchronisieren. Cloud-Speicher-Dienste, wie z.B. Dropbox oder Google Drive, bieten sich da besonders an. Aber nicht zuletzt auch durch die PRISM-Affäre wurde mir klar, Daten einfach so in irgendwelche fremden Speicher schieben? Lieber nicht. Zwar habe ich bis vor kurzem meine Daten zum größten Teil verschlüsselt mit EncFS und BoxCrypter (Android) in der Dropbox synchron gehalten. Aber elegant fand ich diese Lösung nicht. Also habe ich vor ein paar Wochen auf meinem Server OwnCloud installiert und eingerichtet. Nach einigen Wochen Produktiveinsatz möchte ich hier nun darüber berichten:

Was ich gut finde:

  • Die Installation ist auf einem eigenen Server sehr einfach möglich (Tipp: Installatron)
  • OwnCloud bietet verschiedene offene Schnittstellen, wie z.B. WebDAV, an. Damit ist es auch gut möglich, fremde Clients damit zu verbinden.
  • OwnCloud bietet Support für https (SSL) an und funktioniert auch anständig mit selbst-signierten SSL-Zertifikaten.
  • Der OwnCloud-Sync-Client ist verfügbar für verschiedene Betriebssysteme, darunter auch Linux und Android
  • Der Kalendar (CalDAV) und die Kontakte (CardDAV) funktionieren sehr gut!
  • Eine sehr schöne moderne Weboberfläche steht zur Verfügung, inkl. Möglichkeiten zum Teilen usw.

Allerdings hatte ich während meiner Nutzung immer wieder verschiedene Probleme.

Probleme mit dem Client:

  • Der Client synchronisiert manchmal einfach so bereits synchronisierte Dateien und lädt sie erneut hoch bzw. herunter.
  • Mögliche Remote-Änderungen werden alle paar Sekunden gepullt, was zu verschiedenen Nachteilen führt:
  • Durch das ständige Pullen, wird der Stromverbrauch nach oben getrieben, das ist vor allem an einem mobilen Laptop unpraktisch, wenn er im Akkubetrieb läuft.
  • Es kommt außerdem zu ständigen Schreibzugriffen auf die Festplatte, gerade bei einer SSD kann das die Lebenszeit drastisch verkürzen (bei mir ist der sog. Wear Leveling Count bis zu 3x schneller gestiegen mit OwnCloud im Einsatz)
  • Man erkennt den aktuellen Synchronisationsstatus nicht bzw. sehr schlecht
  • Das Synchronisieren vieler kleiner Dateien führt zur permanenten CPU-Auslastung

Probleme mit dem Server:

  • Trotz mehrerer Bugfixes möchte die Ampache-Schnittstelle für Musik und Medien nicht funktionieren.
  • Die Aktivierung der Verschlüsselung im Nachhinein verschlüsselt nur einen Teil der Dateien (womöglich der Fall wenn man sehr viele Dateien hat)
  • Durch Versionierung und Trash wird die Installation noch größer (lässt sich aber deaktivieren)

Auch gibt es ein paar Kleinigkeiten, die mir einfach etwas missfallen.

Kleine Probleme:

  • Ich vermisse Symbole an aktuell synchronisierenden Dateien, wie man es z.B. von Dropbox oder Ubuntu One kennt.
  • Wenn man mehrere Ordner synchronisiert, flackert das OwnCloud-Symbol in der Taskleiste
  • Die neue Verschlüsselung ist etwas unnütz. Die Server-seitige Verschlüsselung legt den Private Key direkt auf dem Server ab, eine Client-seitige Verschlüsselung wäre wünschenswert.

Weitere Probleme hatte ich durch OwnCloud mit meiner Serverumgebung. Dafür kann OwnCloud allerdings nichts, aber man sollte es bedenken:

Probleme mit der Serverumgebung:

  • Auf einem Plesk-Server wurde das Backup unerträglich groß und sehr langsam ausgeführt, aufgrund der vielen Dateien und Dateigrößen

Alles in allem komme ich zu folgendem Fazit:

Ich persönlich nutze OwnCloud seit heute wieder weniger. Die Synchronisation der Kalendar zwischen meinen Geräten sowie die Kontakte funktionieren tadellos. Das werde ich definitiv weiter so einsetzen und ist bei den aktuellen Daten-Skandalen die bessere Lösung als Google & Co. Für Dateien gibt es aktuell einfach noch zu viele Baustellen, zumindest, wenn man den Client zum Synchronisieren einsetzen möchte. Für Dateien, wie z.B. Backups vom Smartphone oder einer WordPress-Installation oder auch dem Sofort-Upload von Fotos vom Smartphone, ist OwnCloud aber gut einsetzbar. Ich persönlich werde für mich wieder neu überlegen, wo ich meine Dateien künftig synchron halte, wobei sich meine Ausstattung an Geräten auch wieder soweit geändert hat, dass dies evtl. weniger nötig wird. Zum Schluss lande ich doch immer wieder bei Dropbox, das läuft einfach. Und gepaart mit Verschlüsselung kann man sich hier relativ sicher fühlen. Evtl. werde ich mich auch wieder dem Schweizer Anbieter Wuala widmen.

PG

Felix

 – Autor des Artikels

10 Reaktionen auf “Erfahrungen mit OwnCloud

  1. Marc sagt:

    Wenn du nicht unbeding eine Weboverfläche brauchst, dann wirf einen Blick auf BitTorrent Sync (http://labs.bittorrent.com/experiments/sync.html)!
    Ich habe es auf drei Windows-Rechnern, dem Webserver und einem NAS (Qnap), läuft super!

    • Felix sagt:

      Danke Marc, für den Hinweis. Bin da neulich schon einmal drüber gestolpert, sieht tatsächlich ganz interessant aus. Aber leider noch ohne grafische Oberfläche für mein Ubuntu. Schade :-(

  2. Marc sagt:

    Hmmm… Aber die Linux-Clients haben alle ein brauchbares Webinterface?

    Ps: habe keine Mail bekommen

    • Felix sagt:

      Danke für den Hinweis, aber irgendwie hätte ich auf meinem Rechner dazu gerne einen Indikator, die Weboberfläche wäre ein nettes Zusatzfeature. Ich werde erstmal wieder Wuala ausprobieren, aber auch BitTorrent Sync behalte ich definitiv im Auge.

      Warum du keine Email bekommen hast, weiß ich auch nicht, komisch :speechless:

  3. Marc sagt:

    …beim zweiten mal kam jetzt eine! 50% Siegchance ist doch ok ;-)

    • Felix sagt:

      Sehr schön, wer weiß, wo die erste Email verschollen ist. Möglicher Weise wird sie noch bei der NSA ausgewertet ;-)

  4. Nils sagt:

    Schade, das sind alles viele Negativ Punkte die ich auch selber bemängelt hätte.
    Durch Dropbox ist man ja doch ganz schön verwöhnt und durch deinen Test an ownCloud werde ich auch bei Dropbox bleiben.

    • Felix sagt:

      Ja, das ist wirklich schade. Am Anfang war ich noch schwer begeistert, hat mir einfach alles in allem gut gefallen als Lösung für den eigenen Server. Aber die ganzen Probleme, die ich einfach nach und nach gesehen haben… :-(
      Aktuell probiere ich Wuala aus. Gefällt mir bisher ganz gut, dazu werde ich evtl. demnächst auch einen kleinen Bericht schreiben. Mal sehen, was mir da noch auffällt ;-)

  5. Michael sagt:

    Inzwischen hat sich ja wieder einiges getan bei Owncloud. Wir sind inzwischen vollständig von Dropbox umgestiegen und bislang eher glücklich. Teilweise finden sich Probleme, die dann selbständig behoben werden müssen. Ich empfehle daher unbedingt den Betrieb auf einem VServer oder einem Dedizierten Server ohne Plesk oder Confixx, mit den entsprechenden Administrativen Kenntnissen. Doch in Sachen Verschlüssellung und Sicherheit ist ein solches System die einzige Alternative zu Dropbox und Co.

    mfg Michael

    • Felix sagt:

      Danke für deinen Kommentar. Ich bin erst vor wenigen Tagen wieder endgültig von OwnCloud abgerückt. Für meine Files verwende ich schon länger Wuala (Schweizer Cloud-Dienst mit Verschlüsselung). Zuletzt hatte ich nur noch meine Kontakte und meinen Kalendar in Owncloud. Leider ist die Bedienung, auch in Version 6, des Kalendars nicht so ausgereift, wie z.B. Google. Ich kann keine einzelne Termine von wiederholten Terminen löschen, das ist für mich sehr problematisch.

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