Google+ – Klarer, strukturierter und auch besser?

Wer sich jetzt fragt, was Google+ ist und was die Frage soll, ob es besser ist, der hat die letzten Tage offensichtlich verschlafen oder sich nicht mehr im Internet blicken lassen, denn Google+ ist definitiv der Online-Trend der letzten Tage. Kurz: Google+ soll ein Facebook-Killer sein bzw. werden.

Aber von vorne:

Dass Google eine eigene Social Network Plattform entwickelt, was schon längere Zeit ein offenes Geheimnis, zumindest für diejenigen, die sich für die Materie interessieren. Nach – leider wohl missglückten Versuchen – Plattformen wie Twitter mit Hilfe von Google Buzz und Google Wave anzugreifen, ist nun die große Plattform Facebook im Visier von Google. Am Dienstag startete dann die Beta-Phase von Google+, so der Name des neuen Social Networks von Google. Bislang ist es so, dass man nur teilnehmen kann, wenn man eingeladen wird, z.B. von einem User, der bereits in Google+ vertreten ist. Google hat diese Möglichkeit allerdings immer wieder von neuem blockiert, um den Nutzerkreis erstmal relativ gering zu halten, es muss eben noch getestet werden. Aber dank Chris von LinuxUndIch konnte auch ich mich bei Google+ anmelden und die Pforten für Freunde und Bekannte von mir öffnen. So habe ich bereits in den ersten Tage fast 40 „Freunde“ bei Google+ zusammen. Wobei – und das ist das Schöne an Google+ – man hier diesen Leuten eben nicht den Stempel „Freund“ aufdrückt……und damit kommen wir zu ein paar Funktionen:

Wie gesagt, es gibt keine klassischen „Freunde“, man unterteilt seine Bekanntschaften in sog. Kreise (engl. Circles). So habe ich z.B. die Kreise Familie, Freunde, Blogger usw. Jetzt werden Leute sagen: „Moment, bei Facebook gibt es doch Freundschafts-Gruppen, das ist doch das Selbe“. Nein, ist es nicht ganz. Ich kann hier nämlich ganz klipp und klar steuern, in welche Kreise ich meine Einträge in die Google+-Pinnwand – der sog. Stream – posten möchte. Wenn ich z.B. etwas Interessantes zum Thema Blog veröffentlichen möchte, schicke ich das in meinen Blogger-Kreis, geht es um nützliche Infos für Freunde, kommt auch das in den passenden Kreis. Natürlich kann man auch in alle Kreise, in erweiterte Kreise (eigene Kreise und überschneidene Kreise anderer) oder gar öffentlich posten. Ganz nebenbei geht das auch an ganz bestimmte Personen ;-).Übrigens: Man kann seine Google+-Leute auch in verschiedene Kreise gleichzeitig packen und es gibt keine „Freundschaftsanfragen“. Hier erinnert es mehr an Twitter, man kann sozusagen verfolgen und verfolgt werden.

Aber es gibt noch mehr, zwei Features, die offenbar für viel Verwirrung stifen, weil die Namen nicht besonders aussagekräftig zu sein scheinen, sind Hangout und Huddle.

Hangout durfte ich direkt am ersten Abend mit meinen Kommilitonen testen. Dabei sind eine Webcam und ein Mikro von Vorteil, denn hier kann man munter miteinander Video-chatten, gemeinsam YouTube-Videos gucken, Textnachrichten schreiben und alles was man dafür benötigt, ist neben einem Google+-Account, ein Browser und das passende Plugin, das wunderbar unter Windows, Mac(?) und auch Linux läuft.

Huddle dagegen ist ein Feature der Mobile App von Google+, die es bislang nur für Android gibt. Dabei handelt es sich um einen einfach textbasierten Grupenchat. Auch diesen habe ich bereits getestet ;-)

Nun komme ich zum Design und der Benutzerfreundlichkeit:

Im Gegensatz zu Facebook gefiel mir Google+ auf den ersten Blick. Es ist klar strukturiert, wirkt sauber und ordentlich und überzeugt durch sein schlichtes – und dank HTML5 sehr intuitives – Design.

Der grundsätzliche Aufbau erinnert dagegen an Facebook und macht es somit Umsteigern sehr leicht.

Auch bei Google+ wird „geliked“, hier heißt es allerdings anders, denn bei Google wird „geplust“. Schon vor etwas längerer Zeit wurde der Google +1 Button zur Verfügung gestellt (den gibt es übrigens auch in meinem Blog :innocent: ), mit dem man Links nicht einfach nur empfiehlt und teilt, sondern auch seine Position in der Suchmaschine von Google damit positiv beeinflussen kann. Der Google +1 Button taucht übrigens auch direkt in der Google Suche auf, seit wenigen Tagen übrigens auch mit einem deutschen Google-Account.

Der Rest funktioniert ähnlich wie in Facebook, nur irgendwie besser.

Aber es gibt auch Minuspunkte für Google+:

Ich finde es persönlich z.B. sehr schade, dass man den Zugang zu Google+ so restriktiv behandelt, also dass man momentan noch eingeladen werden muss. Gestern gab es zwar auch schon das Gerücht, Google+ sei für alle offen, aber das war offenbar eine Fehleinschätzung von Chip.

Ein weiterer Nachteil ist, dass man für Google+ ein Googlemail-Konto braucht. Dafür reicht es NICHT aus, einfach nur eine bestimmte Email-Adresse mit seinem Google-Account zu verkünpfen. Es muss sich um eine @gmail.com bzw. @googlemail.com Adresse handeln. Diese ist allerdings relativ einfach einzurichten und dort anlaufende Mails kann man auf eine andere Email-Adresse umleiten oder sie direkt per IMAP über einen Client (Outlook, Thunderbird, Evolution usw.) abrufen.

Außerdem sieht es momentan wohl schlecht aus mit der Barrierefreiheit. (Danke für den Hinweise an Sonnenhexer) Das liegt nicht zuletzt am unaufgeräumten Sourcecode der HTML-Seite.

Ein weitere Nachteil, von dem ich erwarte, dass er sich bald verabschieden wird, ist die bislang sehr kleine API-Unterstützung von Google+. Solche APIs bilden Schnittstellen für Programmierer um eigene Tools zu schreiben. Z.B. um Posts über andere Plattformen zu veröffentlichen (z.B. WordPress-Plugins). Es ist momentan also noch nicht möglich, mit Hilfe solcher Tools sein Google+ zu optimieren, aber das wird sich mit der Zeit nach meiner Einschätzung verbessern.

Fazit:

Google+ bekommt von mir ein klares +. Es bedient sich gut – von kleinen Beta-Phasen typischen Fehlerchen abgesehen -, ist klar und sauber strukturiert und macht einfach nur Spaß. Ich erwarte zwar nicht, dass Facebook dadurch „gekillt“ wird, aber es gibt jetzt erstmals eine erwähnenswerte Konkurenz.

PG

Felix

 – Autor des Artikels

8 Reaktionen auf “Google+ – Klarer, strukturierter und auch besser?

  1. Miki sagt:

    Mir gefällt Google+ ! Und kann ja nur besser werden, steckt ja noch in den Kinderschuhen! ;-) :alien:

    • Felix sagt:

      @Miki (oder sollte ich sagen +Miki) :alien:

      Ja, mir gefällt Google+ auch sehr gut und ich denke auch, dass es mit der Zeit noch besser werden wird. Ist ja noch in der Beta ;-)

  2. […] will mich nicht in die vielen schon vorhandenen Artikel mit Erklärungen dazu einreihen… hier zum Beispiel…Ich will nur sagen, dass es mir gefällt und ihr mich hier finden könnt. Und dass ich schon […]

  3. MacSchlumpf sagt:

    Ich darf seit Mittwoch auch Google+ testen und mein Fazit ist ganz klar: Google+ wird die Plattform werden, die ich auf Dauer nutzen werde ✔

    Man sollte allerdings nicht vergessen, das es sich bei Google+ derzeit noch um eine BETA handelt und deswegen nur ein „kleiner“ Kreis (wobei schon extrem viele User da sind) diese Plattform testen darf. So verhindert man auch, das „wenn“ noch grobe Fehler auftreten sollten, das das ganze schon im Vorfeld zum scheitern verurteilt wird.

    Es gibt schon unzählige Artikel von „hart gesottenen“ FB Anhängern, die nix anderes zu tun haben als bereits im Vorfeld alles schlecht zu reden – aber wir haben ja ein freies Land (was ich persönlich aber nicht denke *grins*)

    Alles in allem, egal mit welchen „genialen“ Funktionen FB auch kommen mag (es gibt ja die Tage ein Spezial Event von FB) – ich bleibe Google inkl. allen anderen Produkten und auch unabhängig von Datenschutz etc. (denn da sind alle Firmen doch gleich…. :) )

    Schönen Sonntag noch ☀

    • Felix sagt:

      @MacSchlumpf

      Erstmal herzlich Willkommen und schön, dass du es in meinen Blog geschafft hast ;-)

      Ja du hast recht, man muss bedenken, dass es noch eine Beta-Version ist und darf das alles nicht so negativ sehen. Ich persönlich fand Google+ vom erten Augenblick her aufgeräumter als es Facebook jemals war. Und wenn die FB-Anhänger unbedingt dabei bleiben wollen – entweder weil sie durch Gehirnwäsche nicht glauben können, dass es auch besser geht oder weil sie intellektuell nicht in der Lage sind, zwei Social Networks gleichzeitig zu bedienen – dann sollen sie dies tun ;-) Zumindest im Internet gilt Freiheit :innocent:

  4. MacSchlumpf sagt:

    Also ich für meinen Teil, werde wohl meinen FB Account nun endgültig ins Nirvana schicken, denn diese ständigen Spiele Anfragen, Einladungen etc. gehen mir gehörig auf den … öhm auf`s Gemüt.

    Aber wie sagt man doch so schön, Konkurrenz belebt das Geschäft.

    PS: Habe gerade einen Artikel gelesen, wonach Google für dieses neue Netzwerk um die 700 Millionen ausgegeben haben soll (inkl. Lizenzen) – beachtliche summe gelle

  5. derhenry sagt:

    Danke für die Zusammenfassung – in der Tat habe ich in der letzten Zeit kaum im Netz vorbeigeschaut und nur am Rande etwas von Google+ gehört.

    Wahrscheinlich werde ich aber auch diesem Netzwerk erst einmal nicht beitreten – genauso wie facebook. ;)

    Grüße

    • Felix sagt:

      @derhenry
      Da verpasst du was :D Nein, im Ernst, wer ein Social Network nicht braucht, brauch sich natürlich nicht anmelden, aber es ist dennoch eine feine Sache. Ich hab schon einige Leute gefunden und sogar jede Menge Blogger ;-)

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