Wettbewerb im Multimedia-Netz?

Zum Anfang diesen Jahres hat mein Vermieter, die Degewo, einen Versorgungsvertrag mit Kabel Deutschland abgeschlossen. Damit wurde die TV-Kabel-Versorgung von Tele Columbus auf Kabel Deutschland umgestellt. Doch das war offenbar nur der Anfang. Etwas später landete bei mir ein Bescheid, dass man demnächst plane, die Leitungen zu erneuern und modernisieren und damit auch die Möglichkeit für Internet und Telefon über die TV-Dose mitzuliefern. Die Bauarbeiten gingen dann über mehrere Monate, auch die neuen TV-Dosen in den Wohnungen wurden installiert. Gestern war dann unser “Medienberater” von Kabel Deutschland vor Ort und hat die TV-Dosen gecheckt und den Mietern, darunter auch mir, über gute Angebote berichtet. Dabei waren verführerische TV- und Internet-Angebote. Die TV-Angebote sind hier für mich eher uninteressant, doch die Internet-Angebote habe ich mir ausgiebig erklären lassen. Darunter auch ein DSL-Anschluss mit symmetrischen 100MBit/s, das ist natürlich sau-schnell (im Vergleich, aktuell habe ich asymmetrische 6MBit/s). Doch man sollte immer zwei-mal über so etwas nachdenken und hinter die Kulissen schauen.

Als sich der “Medienberater” verabschiedete, nach dem er übrigens auch andere Telefon-Anbieter schlecht gemacht hatte, fing ich an mich an einen Artikel der c’t zu erinnern: Die Bremser – Kabelnetzbetreiber behindern Glasfaserausbau. Denn natürlich gäbe es auch andere Anbieter, die zumindest vergleichbare Bandbreiten anbieten könnten, doch offenbar ist es Gang und Gäbe bei Kabel Deutschland Exklusiv-Verträge mit großen Wohnungsbaugesellschaften wie auch der Degewo zu schließen. Der Nachteil hierbei sind angebliche “Exklusiv-Klauseln”, die es nun anderen Anbietern untersagen, ebenfalls modernisierte Leitungen im Haus verlegen zu dürfen. So berichtete mir gestern der “Medienberater” von Kabel Deutschland, wie toll doch die neue Technik im Haus für die neuen “Multimedia-Dosen” sei, jeder Kabelstrang hätte seinen eigenen Verteiler und es kommen 90-95% in der Wohnung an, tolle Werte. Man ist als Mieter nun also mehr oder weniger dazu gezwungen, wenn man schnelleres Internet haben will, eben zu Kabel Deutschland zu wechseln, auch dafür gibt es selbstverständlich tolle Wechselangebote mit allem drum und dran.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich in der Vergangenheit öfter über schnelleres Internet nachgedacht, vor allem symmetrische Verbindungen (mit gleichen Down- und Upload) interessieren mich schon sehr, da ich viel an Servern und Webseiten zu administrieren habe und dies oft eine Qual mit DSL6000 sein kann. Doch ich sehe es irgendwie nicht ein, mich diesen Machenschaften anzuschließen, daneben gibt es noch praktische Gründe, warum ich einfach nicht wechseln möchte bzw. kann:

  • Ich müsste meine halbe Wohnung neu verkabeln (im Zuge vom Wechsel von Telefon-Dose zu “Multimedia”-TV-Dose)
  • Ich hätte Angst, im Wechsel-Prozess ohne Internet dazustehen
  • Ich habe außerdem eine Kündigungsfrist beim bisherigen Anbieter, die demnächst abläuft und im Zuge eines Wechsels einfach zu knapp kalkuliert wäre
  • Und last but not least: Ich bin mit meinem derzeitigen Anbieter Vodafone sehr zufrieden.

Ich wollte heute aber auch meinen Verdacht auf diese Exklusiv-Vertragsgeschichten bestätigen lassen und habe kurzerhand bei Vodafone angerufen und mich nach VDSL erkundigt. Dort wurde mir mitgeteilt, dass VDSL hier noch nicht verfügbar ist und man in frühestens 6 Monaten noch mal nachfragen könne. Darufhin sprach ich den Berater auf meinen Verdacht bzgl. Kabel Deutschland an. Natürlich konnte mir der Herr auf der anderen Seite nichts bestätigen, aber er äußerte, dass unter diesen Gegebenheiten Vodafone vermutlich schlicht nicht mithalten könne und man wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit keine entsprechenden Bandbreiten bekommen wird. D.h. wohl, selbst wenn die VDSL-Leitungen vor der Tür liegen, werden sie wohl nicht im Haus modernisiert werden können (im Moment verkraften sie auch nur DSL6000, hat mir vor einigen Monaten ein Techniker mitgeteilt) und unter diesem Gesichtspunkt ist es für Vodafone natürlich auch nicht attraktiv, hier überhaupt VDSL anzubieten. Damit ist wohl schon mindestens ein Anbieter erfolgreich ausgesperrt und der Verlierer ist der Mieter, dessen Auswahl somit eingeschränkt ist. Das ist zumindest mein Eindruck.

PG

Felix

 – Autor des Artikels

Hallo, ich bin Felix. Ich bin 25 Jahre alt und Student der Medieninformatik und nebenbei in der Webentwicklung tätig. Mehr über mich erfahrt ihr bei www.felix-griewald.de.

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