Für die Wissenschaft – Boinc

Mich hat eine alte Leidenschaft wieder gepackt: BOINC – oder auch Berkeley Open Infrastructure for Network Computing. Dabei handelt es sich um eine Plattform der Universität Berkeley, die damit die Rechenleistung verschiedenster Rechner über das Internet verfügbar macht. Denn wissenschaftliche Daten müssen ausgewertet werden und dafür benötigt man Rechenpower. Eine Möglichkeit sind teure Serverfarmen, die solche Daten – beispielsweise Simulationen oder Aufzeichnungen – auswerten sollen. Solche Farmen sind aber teuer und auch nicht besonders umweltfreundlich und vor allem kleinere Projekte können solche Anlagen kaum finanzieren. Und genau hier wird nun BOINC eingesetzt. Denn da draußen stehen mittlerweile Millionen von Rechnern – egal ob bei uns zu Hause oder im Büro, in der Schule oder in der Universität – und diese sind meistens nicht ausgelastet. Sie werden genutzt, um im Internet zu surfen, die Emails abzurufen, vielleicht etwas chatten oder Texte verfassen. Da wäre es doch eine gute Idee, die restliche Rechenkraft im Hintergrund unmerklich zu nutzen, um der Wissenschaft die ersehnten ausgewerteten Daten zu liefern.

Ich bin bereits seit 2002 mit dabei. Ursprünglich startete die Universität Berkeley das Projekt SETI@Home. SETI bedeutet übrigens Search for Extraterrestrial Intelligence (dt. Suche nach außerirdischer Intelligenz). Bei diesem Projekt werden aufgezeichnete Signale des Radioteleskops Acreibo ausgewertet. SETI@Home war das erste Projekt dieser Art. Von dieser Idee inspiriert entwickelte man in Berkeley die Plattform Boinc, welche mittlerweile noch weiteren wissenschaftlichen Projekten aller Welt zur Verfügung steht und somit die Rechenkapazität der im Internet verfügbaren Computer nutzt.

Seit einigen Tagen stelle auch ich meinen (neuen) Rechner auf diese Art und Weise zur Verfügung. Ich habe mein altes SETI@Home-Konto wieder reaktiviert und auch in diesem Moment wertet er im Hintergrund die Daten aus Berkeley aus. Allerdings lasse ich meinen Computer nur mit halber Kraft (einen Prozessor-Kern von zwei)  die Arbeit übernehmen, um die Temperatur auf einen normalen Level zu halten, denn man sollte nicht vergessen, volle Rechenlast bedeutet auch eine höhere Temperatur im Gehäuse. Aber mittlerweile steht mir ja auch ein eigener Dedicated Server bei 1&1 zur Verfügung, und auch dieser hat außer einigen Webanfragen und Email-Konto-Abrufen noch viele freie Kapazitäten – und auch diese nutze ich für BOINC aus.

Neben SETI@Home gibt es – wie bereits erwähnt – weitere interessante Projekte. Ich habe außerdem festgestellt, dass man bei SETI@Home die Server nicht mehr dauerhaft online zu halten scheint und es daher zu Pausen für neue Aufgaben kommt. Also habe ich mich bei weiteren Projekten angemeldet, um meine Rechenkraft der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Dabei bin ich über MilkyWay@Home gestolpert. Dabei handelt es sich um ein relativ ähnliches Programm, hierbei wird nicht nach außerirdischer Intelligenz geforscht, sondern ein 3D-Modell der Milchstraßengalaxie errechnet.

Aber nicht nur die Weltraumforschung wird mittels BOINC bedient, so habe ich mich inzwischen auch für ein drittes Programm eingetragen: climatePrediction. Hier steht die Klimaforschung im Vordergrund. Das halte ich für besonders sinnvoll, denn hier werden die Klimadaten unserer Erde ausgewertet, um den Klimawandel der nächsten 50 Jahre voraussagen zu können.

Aber man tut nicht nur etwas für die Wissenschaft, nein, das ganze wird auch in Statistiken erfasst, es werden Punkte (sog. Credits) vergeben und man kann in Teams arbeiten. Also auch der Wettbewerbsdrang wird befriedigt ;-)

Boinc Stats

Und wer hat Lust, wer möche seinen Computer – egal ob Windows, Linux oder Mac – der Wissenschaft zur Verfügung stellen?

Es gibt noch viele weitere Projekte aus den Bereichen Biologie, Medizin, Physik, Astronomie, Kryptografie …

Einige Projekte, die ich für ebenfalls reizvoll halte:

  • LHC@Home – Simulationen für den berühmten Teilchenbeschleuniger Europas
  • Einstein@Home – Auswertung von Gravitationswellen im Universum
  • Enigma@Home – Es existieren 3 Enigma-verschlüsselte Nachrichten aus dem Jahre 1942 – diese konten bis heute nicht entschlüsselt werden!
PG

Felix

 – Autor des Artikels

3 Reaktionen auf “Für die Wissenschaft – Boinc

  1. Nils sagt:

    Hab BOINC über 3 Jahre auf meinem Rechner laufen lassen. Hat wirklich Spaß gemacht.
    Hier mal meine Grafik: http://www.boincstats.com/signature/user_1059123.gif

    • Felix sagt:

      @Nils

      Da hast du ja reichlich Credits gesammelt und auch an vielen Projekten mitgewirkt. Mir macht das auch schon wieder richtig Spaß :hay:

  2. Felix sagt:

    Übrigens, derzeit sind leider die Server von SETI@Home offline, da sind offenbar die Klimaanlagen ausgefallen

    Mehr Infos dazu gibt es auf der Webseite
    http://setiathome.berkeley.edu/

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