Die Krankenfabrik – Aus der Sicht eines Patienten

Leider wurde ich auf Wunsch meines Hausarztes am Donnerstag-Abend in ein Krankenhaus eingeliefert.
Die Einweisung, auf der das Feld „Notfall“ angekreuzt war, gab ich gegen 19:30 Uhr in der Notaufnahme des Krankenhauses in Berlin-Treptow ab. Gegen 22:00 Uhr wurde ich endlich aufgerufen und wurde von der Dienst-habenden Schwester befragt. Mir wurde außerdem Blut abgenommen. Nun durfte ich wieder warten. Die erste Ärztin bekam ich dann gegen 23:00 Uhr zu sehen. Also zwischen Einlieferung und erster „Behandlung“ lagen fast 4 Stunden!
Die Ärztin überredete mich, in stationäre Behandlung zu gehen, damit man eine sadistische Untersuchung durchführen könne. Bereits hier bat ich darum, dass ich so schnell wie möglich wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden möchte, da ich ganz genau weiß, wie man am Wochenende behandelt wird, nämlich gar nicht.
Nun wurde ich auf mein Zimmer in Station 25 gebracht, ein Doppelzimmer, dass ich ausnahmsweise für mich alleine hatte. Jetzt durfte ich noch schnell etwas essen, denn für die anstehende Untersuchung am nächsten Morgen musste ich nüchtern sein.
Am nächsten Morgen war es tatsächlich soweit, ich wurde schnell und unkompliziert zur Untersuchung gebracht. Einige Stunden später wachte ich aus der Narkose wieder auf und wartete auf einen Arzt. Nun bekam ich von einem Pfleger die Info, die Visite sei schon durch, toll, ich habe sie nur im Delirium mitbekommen! Ich habe MEHRFACH darum gebeten, dass sich doch bitte noch einmal ein Arzt bei mir vorstellt. An diesem Tag habe ich keinen Arzt mehr zu Gesicht bekommen!
Übrigens: Die Nadel, die ich seit dem Morgen im Arm hatte, wurde mir am späten Abend nach mehrfachem Bitten und Flehen endlich entfernt. Mittlerweile hatte ich auch einen Zimmerkameraden, der war aber sehr ruhig, das war mir nur zu recht, denn von früheren Aufenthalten weiß ich, wie anstrengend meist ältere Männer mit einem unaufhörlichen Drang zu reden sein können:
Bei meinem allerersten Krankenhausaufenthalt wurde ich nachts von meinem Mitpatienten angeschnauzt, dass ich die Klotür nicht so knallen soll, das war allerdings mein geringstes Problem, denn ich lief permanent mit Tropf herum, musste ständig auf Toilette und hatte unentwegt Bauchschmerzen. Seine Familie war aber offenbar auch nicht gerade von Intelligenz geprägt, denn sie gingen doch nur zu gerne auf das PATIENTEN-WC.
Der nächste Zimmerkollege war ein alter Mann, der dazu neigte, die Schwestern ständig zu nerven und sein Spätstück für Diabetiker sofort nach Erhalt zu verputzen (so ist das eigentlich nicht gedacht).
Der anstrengendste Mitbewohner war aber ein Mann, der mir immer und immer wieder von seiner Vergangenheit als selbstständiger Irgendwas in der DDR erzählte. Er lief mit bayrischen Seppelhosen herum und wollte dann auch noch ernst genommen werden. Außerdem hatte er eine Vorliebe dafür, sich seine Insulindosis am Abend gleich doppelt zu spritzen (kurzzeitiger Gedächtnisverlust) um dann mitten in der Nacht bei voller Beleuchtung laute krachende Kekse zu verputzen.
Zurück zu meinem aktuellen Aufenthalt:
Am Samstag morgen wartete ich bereits sehnsüchtig auf das Frühstück, nach über 12 Stunden darf man schon ein Hungergefühl verspüren. Als nächstes las ich mein Buch weiter, 1984 von George Orwell, nach ein paar Stunden kam endlich die Ärztin. Da Samstag war, war sie für alle 5 Stationen gleichzeitig zuständig, dass dort kaum Zeit für mich, den Patienten, blieb, dürfte damit klar sein. Als ich nachfragte, wann ich entlassen werde, sagte sie nur, dass sei nicht vorgesehen solange keine Verbesserung auftrete, nun war das Maß voll. „Verbesserung?! Wovon?! Alles was Sie bisher gemacht haben, ist mir in den Bauch geguckt zu haben!!“ Es wurde also nichts an meiner Medikation geändert, ich wurde bisher (nach über 2 Tagen) noch nicht einmal richtig behandelt und nun soll aus heiterem Himmel eine Verbesserung eintreten?! Ich bat nur noch darum, entlassen zu werden und entließ mich somit auf eigenen Wunsch, mit Unterschrift für die Bürokratie unter einem Protokoll.
An dieser Stelle gebe ich aber nicht den Ärzten oder Schwestern die Schuld an der ewig hingezogenen Behandlung ohne Resultate und ohne Fortschritte. Viel mehr frage ich mich, warum ein einziger Arzt für eine ganze Station zuständig ist und gleichzeitig seinen Fachbereich im gesamten Krankenhaus inkl. Notaufnahme abdecken muss. Wie soll da Zeit für die Patienten bleiben? Wie soll man da anständig und schnell behandelt werden? Und warum finden so wenige Absprachen zwischen den Schwestern und Ärzten statt? Warum muss alles ganz bürokratisch in den Computersystemen zeit-verschlingend eingebracht werden? Und warum muss ich jetzt 30 Euro bezahlen? – Bei diesem Gesundheitssystem braucht man sich nicht mehr zu fragen, warum die gesamte Ärzteschaft unzufrieden ist…

PG

Felix

 – Autor des Artikels

2 Reaktionen auf “Die Krankenfabrik – Aus der Sicht eines Patienten

  1. Miki sagt:

    … und dann kommt noch dazu: die Futter-Versorgung!
    Ein schlanker junger Mann (lt.Tabelle untergewichtig) von 21 Jahren, 1,85m groß, tags zuvor ganztags „nüchtern“, weil alles retoure kam (bis auf die erwähnte späte Mahlzeit, die ich nicht gesehen habe)bekommt als Abendessen: eine Weissbrotscheibe (Format Toastbrot, nicht mal Sandwichgröße!).Und diese eine Scheibe einmal durchgeschnitten, damit es mehr aussieht! Und erst auf Nachfrage und mit dem dazugehörigen Gemurre gibt es eine 2.Scheibe! Abends 17.00 Uhr als letzte Mahlzeit des Tages.
    Und so aufregen tut es mich, weil es IMMER so ist. Als Felix länger „drin“ war, hab ich immer Futter mitgebracht. Einmal HATTEN sie kein Weissbrot mehr da (und er hat nur Weissbrot vertragen), da bin losgefahren, BROT KAUFEN. Hauptsache das Krankenhaus rechnet voll ab.
    Vor allem für den Tag, den wir in der Rettungsstelle verbracht haben, 23.30 Uhr hatte er sein Bett, Zuzahlung 10 Euro!
    Und was ich auch gesehen habe (nicht diesmal): dass das Personal nach dem Austeilen des Mittagessens im Schwesternzimmer das gleiche Essen hatte wie die Patienten *wunder* Denn DAS war auch immer seeehr knapp bemessen. Nun liegen dort überwiegend sehr alte Leute, deren Energiebedarf ist nicht sehr hoch (ich kenne mich damit aus) aber eine junger Mann, der Gewicht zulegen soll!!! Als er nach einer sehr aufwendigen Untersuchung endliche wieder HÄTTE Kartoffelbrei essen dürfen, war KEINER da! IM KRANKENHAUS!!!
    Ich reg mich auf!!!
    Werde mich jetzt auch mal an der richtigen Stelle beschweren.
    Klar ist bekannt, dass Krankenhäuser nur knapp bemessene Festsätze abrechnen können, aber für’s Fressen MUSS es doch reichen. Vor allem rechnen sie ja auch für Aufnahme- und Entlassungstag ab….
    Ich bin soooo sauer…. und höre jetzt auf. Hier.
    Werde aber die Krankenkasse anrufen. Jetzt. :-<

  2. Felix sagt:

    Nur mal so zur Ergänzung: Meinen Entlassungsbrief, den ich heute hätte bekommen sollen (2 Tage später), ist immer noch nicht fertig x-(

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